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Jungstörche Zyfflich

Störche

Weißstörche in Zyfflich

Die Düffel bietet eigentlich optimale Voraussetzungen für Störche. Feuchte Wiesen und Äcker, Teiche, Flüsse und Wasserläufe beheimaten Fische, Regenwürmer, Raupen, Mäuse und andere Kleintiere die zur Nahrungskette des Storches gehören.
Dennoch zählte man um das Jahr 1900 nur ca. 40 bis 50 Brutpaare am Niederrhein. 1922 konnten nur noch sieben Brutpaare, und 1934 gar nur drei Brutpaare gezählt werden.

Vermutlich 1938 kamen in Zyfflich die letzten Jungstörche vor der Wiederansiedlung im Jahr 1996 zur Welt.
Die Wiederansiedlung des Storches in Zyfflich ist dem Zahnarzt Dr. Wolfgang Pilz aus Kaldenkirchen zu verdanken, der sich mit Leib und Seele dafür eingesetzt hat, das in Zyfflich wieder der Storch ein zu Hause erhält.

Er ließ in den Jahren 1989 und 1992 mit Unterstützung des RWE sowie der Zyfflicher Handwerker Wilhelm Gochermann und Theodor Haukes fünf Nisthilfen in Zyfflich aufstellen.
2 Nisthilfen wurden 1989 am Wyler Meer, 3 Nistbäume wurden 1992 auf der „Laak“, unmittelbar nördlich der Ortsmitte aufgestellt.
Die ca. 16 m hohen Nistbäume hatten als Nestunterbau hölzerne Karrenräder mit einem Durchmesser von 1,50 m, darauf befestigt war ein Weidengeflecht mit einem 25 cm hohen Rand, das als Nestgrundlage dienen sollte.





1993 schien der Traum von Wolfgang Pilz und der Dorfbewohner in Erfüllung zu gehen. Am Wyler Meer wurde ein Storchenpaar beobachtet!

Die Nisthilfe hielt jedoch den heftigen Balz- und Liebesspielen des Pärchens nicht stand und brach zusammen.

Die Störche verließen Zyfflich.

1995 herrschte wieder helle Aufregung in Zyfflich.

Auf der Laak, in der Nähe der Ortsmitte wurde ein Storchenpaar auf einer der von Wolfgang Pilz aufgebauten Nisthilfen gesehen.
Da ein Paar Nilgänse, die seit Jahren einen der 3 Nistbäume an der Laak in Zyfflich als Schlafplatz benutzen, diesen nicht aufgeben wollten, konnten das Storchenpaar nur zwischen 2 Nisthilfen an der Laak wählen.
Jedoch wurden zunächst auch diese Nisthilfen durch die Gänse verteidigt, bis die Störche sich für das westlichste, durch hohe Pappeln relativ windgeschützte Nest entschieden.

Anfang Mai musste das Storchenpaar wieder kämpfen; diesmal jedoch gegen einen anderen Storch.
Den ganzen Tag über versuchte er ein Nest zu besetzen und einen Partner für sich zu gewinnen.
Das Storchenpaar hielt jedoch zusammen, und konnte den "Eindringling" gegen Abend verscheuchen.
Nun begann das Paar auch intensiv das vorgefertigte Nest auszubauen.

Obwohl es für die Jahreszeit viel zu nass und zu kalt war, begann das Paar zu balzen.
Die Dorfbewohner waren angesichts der Wetterbedingungen jedoch skeptisch, hinsichtlich des ersten Storchennachwuchses seit ca. 60 Jahren.

Juni 1995
Das Wetter spielte überhaupt nicht mit. Regen und Sturm wechselten sich ab, oder wirkten gar gleichzeitig auf das Nest der Störche ein.
Nachdem zunächst immer ein Storch auf dem Nest verblieb (Anzeichen eines Brutversuchs), begaben sich nun immer öfter beide Störche auf Nahrungssuche und verließen das Nest. Nachdem das Nest nur noch als Schlaf- und Ruheplatz durch die Störche benutzt wurde, und diese immer weitere Touren unternahmen, war es selbst den größten Optimisten klar:

Der erste Brutversuch nach ca. 60 Jahren war gescheitert!

Im August 1995 wurden die Störche nur noch selten gesehen und Anfang September des Jahres 1995 hatte ein Storch den Weg gen Süden eingeschlagen.

Ein Storch konnte sich jedoch nicht von Zyfflich trennen, was auf eine Aufzucht unter Menschen hinwies, denn Störche sind Zugvögel, und verlassen ihre Nistplätze eigentlich mit Ende unseres Sommers.
Auf einer Wiese in der Nähe des Nistplatzes, die Hühner, Gänse, Ziegen und manchmal auch noch andere Tiere Ihr zu Hause nannten, fand er jedoch leicht Nahrung, und da er offensichtlich nicht in Freiheit geboren wurde, bzw. lange unter Menschen gelebt hatte, nutzte er diese Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme.
Nachdem feststand, das es für eine Reise in den Süden zu spät war, und der Winter nahte, und damit auch die Nahrungssuche für den Storch immer schwieriger wurde, entschlossen sich zwei Frauen aus Zyfflich (Frau M. Fürst - Maas, und Frau S. Duif) den Storch auf der ihm bekannten Wiese zuzufüttern.
Informationen über die richtige Nahrungszufuhr holten Sie sich bei H. G. Kersten aus Zyfflich, der sich umfassend mit dem Thema Störche auseinandersetzte.

Dank der Fürsorge der zwei Frauen überlebte der Storch den Winter 95/96.

Im März 1996 war dann plötzlich Schluss mit seinem Singledasein.


Der Storch aus dem Jahre 1995 war offensichtlich zurückgekehrt. Sogleich begann das Paar mit der Ausbesserung des auch 1995 gewählten Nestes.
Die Nilgänse, die wiederum das Nest für sich in Anspruch nehmen wollten, schienen gelernt zu haben; bereits nach kurzer Zeit gaben sie auf.
Nach einiger Zeit konnte beobachtet werden, dass nun ein Storch ständig auf dem Nest saß, während der Andere Nahrung suchte.

Ende Mai konnten dann erstmals nach ca. 60 Jahren wieder Jungstörche in Zyfflich beobachtet werden.

Leider starb bereits nach kurzer Zeit eines der 4 Storchenkinder.
Dennoch waren die Storcheneltern nun meist damit beschäftigt den stets hungrigen Nachwuchs mit Nahrung zu versorgen. Immer öfter sah man nun einen Storch auf der angrenzenden Wiese bei Fr. Fürst - Maas nach Nahrung suchen.

Ende Juni 1996 wurden die Störche beringt und bekamen nun auch Namen.

Der menschliche „Storchenvater“ Dr. Wolfgang Pilz bekam eine Tafel mit den Storchennamen

„Jan und Marie“ für die Eltern und

„Wolfgang“, „Martin(-a)“, „Anton(-ia)“für die Storchenkinder überreicht.

Wolfgang nach dem „Storchenvater" Wolfgang Pilz

Martin(-a) Namenspatron der Zyfflicher Kirche

Anton(-ia) Namenspatron der Schützengilde

Mitte Juli wurde es langsam Ernst für die Storchenkinder. Die Eltern forderten sie immer heftiger dazu auf endlich das Nest fliegend zu verlassen.
Ende Juli folgten dann die ersten Flugstunden, die dazu führen dass im August 5 Störche über Zyfflich kreisten.
Ende August verließen dann die drei Jungstörche Zyfflich und begaben sich auf den Weg in den Süden.

Seltsamerweise überwinterten nun beide Altstörche in Zyfflich. Soweit es ging versorgten sie sich selbst mit Nahrung, und nur wenn sie nichts fanden, begaben sie sich zur Wiese von Fr. Fürst, und holten sich dort ihre Nahrung.
Reichte auch diese Nahrung nicht aus, wurden sie durch Fr. M. Fürst und Fr. S. Duif mit zusätzlicher Nahrung versorgt.

In den folgenden Jahren gab es immer wieder Bruterfolge, aber auch Jahre ohne Jungstörche.

Insgesamt konnten in Zyfflich (1996 bis 2009) 15 Jungstörche ihre Reise in den Süden antreten.


Eine tabelarische Auflistung der Bruterfolge ab dem Jahr 1996 können sie sich
hier ansehen.